Name: Rúnatal þáttr Óðinn
Übersetzung: Odins Runenlied
Edda: Lieder-Edda
Kapitel: Götterlieder
Übersetzung von: Häny
Hauptpersonen: Odin
Vorgänger: Loddfafnirs Lied
Nachfolger: Die Aufzählung Runenlieder


Odins Runenbericht ist ein Teil des Havamal aus dem ersten Kapitel der Lieder-Edda, den Götterliedern.

1

Wohl weiß ich,
daß ich am Windbaum hing,
neun ganze Nächte
speerverwundet
dem Odin geopfert
ich selber mir selbst-
an jenem Holz,
von dem niemand weiß
aus welchen Wurzeln es aufwächst.

2

Sie reichten mir
weder ein Brot noch ein Trinkhorn;
da spähte ich nieder,
erraffte die Runen
schreiend erraffte ich sie
und fiel dann vom Holz ab.

3

Neun gewaltige Zauberlieder
lernte ich vom ruhmreichen Sohne
Bölthorn dem Vater der Bestla
und tat einen Trunk
des köstlichen Mets,
geschöpft aus Odrerirs Kessel.

4

Darauf gedieh ich,
ward erfahren,
wuchs und fühlte mich wohl;
ein Wort führte
mich zum andern;
ein Werk führte
mich fort zum andern.

5

Runen wirst finden,
verständliche Stäbe,
starre, gewaltige
Zauberzeichen;
Odin malte sie,
Götter erschufen sie,
es ritzte sie der Rufer der Götter.

6

Odin bei den Asen,
Dain bei den Alben,
Alswid bei den Riesen-
ich selber ritzte auch welche.

7

Weißt du, wie man ritzen soll,
weißt, wie man raten soll,
weißt, wie man malen soll,
weißt, wie man prüfen soll?
Weißt, wie man beten soll,
weißt, wie man opfern soll?
Wie man darbringen soll
und wie man schlachten soll?

8

Besser gar nicht gebetet
als zu viel geopfert;
Gaben wollen erwidert sein;
besser gar nichts dargebracht
als zu viel geschlachtet!

9

So ritzte es Odin ein
bevor es die Völker gab,
dorthin brach er auf,
von wo er gekommen war.

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