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Baldur1
Schreibweise: Balder, Baldr
Übersetzung: urgermanisch baldraz = Herr, Held, Fürst; althochdeutsch bald = tapfer
Wohnsitz: Breidablik]]
Vater: Odin
Mutter: Frigg
Ehemann/frau: Nanna
Geschwister: Hödur, Hermodur
Kinder: Forseti


Baldur ist in der germanischen Mythologie der Gott der Reinheit, Schönheit und Gerechtigkeit. Eine konkrete Funktion bei der rituellen Kultpraxis in den germanischen Religionen ist ungewiss und wird in der fachwissenschaftlichen Forschung kontrovers diskutiert.

Baldur ist nach der Prosa-Edda des Isländers Snorri Sturluson ein Sohn von Odin und Frigg, Bruder von Hödur und Hermodur. Mit seiner Frau Nanna hat er den Sohn Forseti.

SageBearbeiten

Baldur lebt in Breidablik in Asgard und besitzt das Schiff Ringhorn.

Eines Tages hat Baldur einen Traum von seinem eigenen Tod, woraufhin seine Mutter zu jedem Tier und jeder Pflanze geht und sie auffordert, einen Eid abzulegen, dass sie Baldur nicht verletzen werden. Nur der junge Mistelzweig scheint Frigg zu unbedeutend, so dass sie ihm den Eid nicht abnimmt.

Es kommt zu einem Spiel der Asen, bei dem sie den jetzt unverwundbaren Baldur mit Speeren, Steinen und anderen Waffen beschießen, ohne dass ihm etwas geschieht. Nur Loki nutzt es aus, dass die Mistel keinen Eid abgelegt hat, und gibt Baldurs blindem Bruder Hödur einen Mistelzweig. Hödur trifft und Baldur stirbt, woraufhin Thor Hödur in blinder Wut erschlägt.

Der Leichnam wird auf einem Schiff aufgebahrt, das nur die Riesin Hyrokkin ins Wasser stoßen kann. Unter der Wucht fangen die Rollen, auf denen das Schiff stand, Feuer, und entzünden den Leichnam. Thor segnet den Leichenbrand mit seinem Hammer Mjölnir. Sein Vater Odin gibt den Ring Draupnir mit auf Baldurs letzte Fahrt gen Hel. Baldurs Gattin Nanna stirbt wähernd der Bestattungsfeierlichkeiten an gebrochenem Herzen und wird zusammen mit ihrem Mann verbrannt. Hermodur versucht vergeblich, seinen Bruder aus dem Totenreich zurückzuholen. Hel entlässt Baldur erst aus ihrem Reich, wenn alle Dinge ihm nachweinen. Die Asen schicken Boten in alle Welt und erreichen, dass alle Lebewesen und sogar Steine und Metalle um Baldur trauern. Nur Loki, in Gestalt der Riesin Tökk, verweigert ihnen den Gefallen und somit wird Baldur die Rückkehr nach Asgard verweigert.

Bei Ragnarök versöhnen sich Baldur und Hödur miteinander und kehren einträchtig bei der Entstehung einer neuen Welt zurück.

Doch Baldurs Tod war nur der Anfang seiner Reise und sollte nicht sein Ende gewesen sein. In der epischen Schlacht am Tag von Ragnarök zerstören sich Götter, Riesen, Menschen und Monster gegenseitig und weihen die Welt dem sicheren Untergang. Doch es wurde auch prophezeiht, dass die Lichtgestalt Baldur am Ende des Ragnarök aus dem Totenreich Helheim wiederkehren und mit seinem Glanz das Zeitalter einer neuen Welt einleiten wird.

Eines der großen Geheimnisse dieser Sage und das Thema vieler Spekulationen ist die Frage: was flüsterte Odin in Baldurs Ohr, bevor dieser verbrannt wurde?

In der Völuspá wird gesagt, dass Frigg nicht um Baldur geweint hat, aber um Walhallas Elend. Sie erkannte, wie Odin, dass der Tod von Baldur den Tod der Götter bei Ragnarök bedeutet.

Deutung der SageBearbeiten

In der neuen Welt soll es weder Verrat noch Lüge oder Mord geben. Ebenso wurde prophezeit, dass ein Herrscher kommen würde, dessen alleinige Macht über alles gebieten solle. Ob hiermit das Christentum gemeint war, ist Spekulation - dennoch wird diese These immer noch unter Geschichtswissenschaftlern diskutiert.

Neuere Textuntersuchungen der Quellen und Vergleiche mit Darstellungen auf völkerwanderungszeitlichen Brakteaten lassen vermuten, dass in einer älteren Version der blinde Odin seinen Lieblingssohn tötete und so zu sich nahm. Die Darstellung in der Völuspá und bei Snorri sei eine humanisierte Fassung, in der Otin, der vorher in der Maske des Hödur auftrat, später von ihm geschieden wurde. Das Spiel der Asen, auf Balder zu schießen, soll die alte mythische Formel einer rituellen Gemeintötung zum Opfer für das Gedeihen alles Lebendigen darstellen. Mit der Lichtgestalt Baldurs verschwinden Glück und Schönheit aus der Welt, womit die Götterdämmerung Ragnarök näher rückt. Da Baldur die Personifizierung der Sonne ist, steht sein Tod auch mit den Sonnenwenden in Verbindung. Balder wird zum Zeitpunkt scheinbarer Unverwundbarkeit getötet, wie auch die Sonne am Tag ihrer längsten Leuchtkraft - dem 21. Juni, der Sommersonnenwende - an Kraft verliert und dadurch die Tage wieder kürzer werden. Ab der Wintersonnenwende werden die Tage wieder länger. Die Sonne kommt wieder zu Kräften, was Balders kommende Wiedergeburt ankündigt.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Deutung J. Frazers in Mode, dass es sich bei Baldur um einen Vegetationsgott gehandelt habe, dessen Tod notwendig gewesen sei, um die Fruchtbarkeit aufrechtzuerhalten. Frazer fand viele Anhänger, jedoch wird seine Theorie heute nicht mehr vertreten. Der Grund hierfür liegt darin, dass Frazer sich wenig um die Quellen kümmerte. Balder wird in ihnen nirgends mit der Vegetation in Verbindung gebracht. Der Baldermythos ist in der Völuspá eindrücklich geschildert.

EthymologieBearbeiten

A. Kuhn schloss über Vergleiche des Namens Baldur und einer Balo genannten südgermanischen Gottheit, deren Name Feuer oder Scheiterhaufen bedeutet (aldnordisch bâl), dass Baldur mit dem im Merseburger Zauberspruch genannten Phol zu vergleichen sei. Balo, den eine Sage als Teufel bezeichnet, sei der Blitz, den der Donner Donar verfolgt. Der Gott des Christentums stürzte den Teufel Luzifer aus dem Himmel, der griechische Zeus den Hephaistos. Beide Gestürzten hinkten danach und der Merseburger Zauberspruch berichtet von Baldur, dessen Pferd lahm wurde - lahmende, also dreibeinige Tiere, werden dem Teufel zugeschrieben.

Dem Hinken ähnlich ist Einäugigkeit. Ein einäugiger Hecht weist auf den Loki, Loki wurde vom Donnerer Thor verjagt. Während der nordische Baldur der reine Lichtgott ist, tritt das vernichtende Element des Feuers in seinem Widersacher Loki zutage.

Bei Saxo findet sich die Sage um Baldur in abgewandelter Form. Hier sind Baldur und Hother Nebenbuhler, die beide um Nanna werben. Nanna ist Hother zugeneigt und besorgt ein Zauberschwert, welches das einzige Ding ist, das Baldur verletzen kann. Hother schickt ihn damit schließlich nach Hel. Diese Deutung erinnert grob an die Nibelungensage.

Grimm führt die Mutmaßung an, dass in christlicher Zeit Johannes an die Stelle des heidnischen Gottes getreten sei. So könnten die Johannesfeuer an Baldurs Leichenbrand erinnern.

TriviaBearbeiten

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